Gewerbe - Kein Gewerbe?
 

Prostitution entkriminalisieren!

Die Diskussionen um den Zürcher Strassenstrich rücken die Prostitution ins öffentliche Bewusstsein und machen deutlich: Prostitution ist eine gesellschaftliche Realität. Anstatt immer neue Verbote und Auflagen zu erfinden, gilt es deshalb sozialverträgliche Formen der Prostitution zu finden und diese aus ihrem Schattendasein zu holen. Für die JUSO steht fest: auch Prostitution ist eine Arbeit und muss so behandelt werden. Die JUSO wird deshalb mit einer Plakatkampagne und im Kantonsrat aktiv.

Prostitution ist in der Schweiz - obwohl rege genutzt - noch immer ein moralisch geächtetes Gewerbe. Prostituierten werden ihre Rechte als Arbeitnehmende aberkannt. Denn es bestehen keine, oder nur mangelnde, gesetzliche Richtlinien für Beschäftigungsverhältnisse im Sexgewerbe. Darunter leiden in erster Linie die Prostituierten, welche ihren Zuhältern und Freiern schutzlos ausgeliefert sind. Prostitution ist aber eine Arbeit und sollte deshalb auch wie eine solche behandelt werden. Sprich: Prostituierten stehen dieselben Rechte und Pflichten zu, wie allen andern Arbeitnehmenden auch. Das heisst, es ist nicht in erster Linie darüber nachzudenken, wie Prostitution weiter eingeschränkt und mit Auflagen erschwert werden kann, sondern vielmehr darüber, unter welchen Bedingungen das Sexgewerbe ausgeübt werden darf, damit möglichst niemand darunter leidet.

Auch dem Problem des sich in Wohngebiete ausbreitenden Strassenstrichs in Zürich wäre mit einer Entkriminalisierung beizukommen: Denn das würde beispielsweise bedeuten, eine bessere Infrastruktur für diesen zur Verfügung zustellen und die Prostitution in Wohnungen und Häusern zuzulassen, was einen besseren Schutz bedeuten würde.

Für JUSO-Co-Präsident Fabian Molina ist klar: „Die Politik muss sich in punkto Sexgewerbe radikal neu orientieren: eine sozialverträgliche Prostitution ist das Ziel." Die JUSO macht den ersten Schritt und lanciert mit einer Plakatkampagne die Diskussion darum. Das Plakat, das in den nächsten Tagen in Zürich aufgehängt wird, zeigt einen Bäcker und eine Prostituierte bei der Arbeit und wirft die Frage auf, ob nicht beides Arbeit ist. Auch parlamentarisch wird die JUSO aktiv: JUSO-Kantonsrätin
Rosmarie Joss wird sich im Kantonsrat entsprechend für eine Gleichstellung der Prostitution einsetzen. „Es kann nicht sein, dass Prostituierte vor Gericht nicht zu ihrem Recht kommen, weil ihr Gewerbe als sittenwidrig gilt", findet Rosmarie Joss.

Kommentare

Prostitution ist 100% legal

Prostitution ist 100% legal in der Schweiz, es gibt keinen Graubereich. Prostituiert müssen MWSt und AHV zahlen, Pensionkasse ist wie bei jeder Selbständigerwerbenden freiwillig. Arbeitsverträge mit Prositutierten sind rechtlich unmöglich, weil der Arbeitgeber ein Weisungsrecht hätte. Das wäre mit den Menschenrechten (Selbstbestimmung) nicht vereinbar. Was wollen die Jusos also noch ändern?

Sexwork ist nicht das Problem - Sexworker sind Teil der Lösung

Danke für diese kreative Imagekampagne // Sie gefällt bestimmt vielen Frauen, Männern und Transsexuellen in der Sexarbeit, die in unterschiedlichen Arbeitsformen, Lebensweisen und Milieus lokal in der Metropole aber auch überall im Land arbeiten und leben. // Was man bei der Sexarbeit und der Organisation und Reglementierung von Sexarbeit verbessern kann, wissen vor allem die Sexarbeiter. Und alle Qualität von Politik und Kampagnen wird gemessen daran, wie die Inklusion der betroffenen Bürger (Sexworker und ihrer Kunden, ihrer Vermieter und ihrer Lebensgefährten und Nachbarn) in einen längst überfälligen Deliberationsprozess einbezogen werden und wie sie dazu ermächtigt werden (Empowerment). // Hier können sicher selbst noch die Jusos dazulernen, aber auch der SexworkerInteressen-Selbstvertretung wertvolle Tipps geben. Einer jungen Politikergeneration trauen die vielen ebenfalls jungen Sexworker da ziemlich viel zu. Danke und weiter so. // Marc, Mitglied Sexworker Forum. Gewerkschaft der Sexworker in A - CH - D.