Ausnüchterungsstelle? Ja, aber...
Wer in Zürich im Alkoholrausch sich oder andere gefährdet, wird seit knapp zwei Jahren in die „Zentrale Ausnüchterungsstelle“ gebracht. Er oder sie verbringt dann die Nacht in einer Zelle in der Hauptwache Urania. Dort warten ein Bett, eine Kloschüssel und Videokameras zur medizinischen und polizeilichen Überwachung des/der Betrunkenen. Die Stadt stellt ein Team aus Polizisten, privaten Sicherheitsleuten und Ärzten an, um auch bei renitenten Betrunkenen die Gesundheit sicherstellen zu können, was in einem normalen Spital schwierig wäre.
So weit, so gut. Erschrecken dürften die meisten Betrunkenen, wenn sie die Rechnung für ihre Übernachtung erhalten. Eine Nacht in der Ausnüchterungszelle kostet nämlich saftige 950 Franken. Zum Vergleich: ein Zimmer Dolder Grand kostet etwa 540 Franken. Die Ausnüchterung ist also erheblich teurer als eine Übernachtung im Luxushotel. Jeder, der in dieser Zelle übernachtet, muss dieses Geld aufbringen, auch wenn er in prekären finanziellen Verhältnissen lebt.
Für die JUSO Stadt Zürich sind diese Kosten zu hoch. Es gibt keinen Grund, die Insassen der Ausnüchterungszelle noch zusätzlich mit einer immensen Rechnung zu bestrafen. Eine abschreckende Wirkung dürften die Kosten kaum entfalten, denn eine Nacht in der ZAS wirkt garantiert auf niemanden einladend. Menschen im Vollrausch lassen sich allgemein nicht durch Kosten-Nutzen-Überlegungen bremsen. Es ist auch nicht so, dass die ZAS selbsttragend wäre. Die Vorstellung, dass die Polizei nichts kosten dürfe, wäre auch absurd. Sicherheit verlangt eben ihren Preis. Aus diesem Grund ist die JUSO Stadt Zürich auch grundsätzlich für die Weiterführung der zentralen Ausnüchterungsstelle – aber nicht in dieser Form. Wir fordern eine Reduktion der Kosten für die Betroffenen auf ein vernünftiges, zahlbares Mass.
Gleichzeitig fordert die JUSO Stadt Zürich mit aller Deutlichkeit, dass nur öffentliche Sicherheitskräfte der Polizei miteinbezogen werden. Die öffentliche Sicherheit wird durch die Steuern kollektiv gewährleistet. Wir akzeptieren keine neoliberale Privatisierungspolitik, aufgrund welcher profitorientierte Security-Firmen zu hohen Preisen ihre Dienste der öffentlichen Hand zur Verfügung stellen.
Die JUSO Stadt Zürich appelliert an den Gemeinderat für mehr Prävention statt Repression. Dem Problem aggressiver Trinkender kann nicht allein mit Symptombekämpfung begegnet werden. Viel wichtiger ist präventive Aufklärungsarbeit. Auch dass in der ZAS willkürlich Menschen festgenommen werden könnten, ist eine Gefahr, die es zu beachten gilt. Die juristischen Grundlagen für eine Festnahme müssen klar festgeschrieben und befolgt werden. Nur so lässt sich verhindern, dass die ZAS zu einem Instrument der Willkür und der Repression wird.
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Kommentare
Endlich wieder mal was vernünftiges!
So ein Mist!